Winterpause

Winterpause2018

Thinking Dog verabschiedet sich in den Winterurlaub.
Ab 2. Januar stehe ich wieder zu eurer Verfügung.
Ich wünsche euch eine schöne Zeit mit euren Lieben und achtet Sylvester und die Zeit drum herum gut auf eure Vierbeiner.
Denkt an den Rückzugsort und die isometrischen Übungen für eure felligen Freunde um ihnen die laute Zeit leichter zu machen…

Thinking Dog macht Winterpause 2018

richtig Spielen mit dem Hund – oder erlaubtes Jagdverhalten

“richtig Spielen mit dem Hund” – Seminar mit Norbert Nitsch

Karsamstag waren meine Mädels und ich bei Norbert Nitsch von Dogs-point in Aachen zu einem Seminar, welches uns “richtig Spielen mit dem Hund” näher bringen sollte.
Petra und Norbert mit Melanie, Karl und ich hatten uns dort zu einem Arbeitstreffen im Rahmen der cumcane® Ausbildung verabredet und neben fachlichem Austausch sollte auch richtiges Spielen mit dem Hund auf dem Programm stehen. Norbert ist ausgebildeter Ekard Lind Trainer. Die Lind-Art® ist eine Methode, die schon früh auf Belohnung statt Bestrafung im Hundetraining setze; Spiel wird in dieser Ausbildungsrichtung als besonders gute Form der Belohnung erachtet, so dass “richtiges Spielen mit dem Hund” einen großen Anteil der Trainerausbildung ausmacht.
Einen Teil seines Wissen über “richtiges Spielen mit dem Hund” wollte uns Norbert also im Rahmen unseres Treffens vermitteln.

Norbert erklärte uns also die Grundlagen des richtigen Spielens mit Hunden und leitete unterschiedliche Spieleinheiten an und auch eine kleine Theorieeinheit war Bestandteil des Seminars.
Wir hatten alle, während des ganzen Tages, super viel Spaß und einige AHA-Erlebnisse.
Meine Mädels (Bonny und Kira, meine Hunde) waren glücklich und damit war ich es natürlich auch.

Veränderungen

Bereits an dem Seminartag fiel mir auf, wie selbstverständlich Kira, meine eher ängstliche Hündin, mit für sie ansonsten eher schwierigen Situationen umging.
In einer Situation hatte sie ihren Kopf zu weit in eine umgekippte Pylone gesteckt, so dass diese kurzfristig auf ihrem Kopf stecken blieb.  Ich hielt die Luft an als ich das sah, weil ich dachte: “Oh nein, jetzt ist es vorbei!” aber Pustekuchen, die tapfere Spielmaus, steckte ihren Kopf direkt und völlig unbekümmert wieder in die Pylone. Ich war restlos begeistert! Alleine dafür gebührt Norbert mein Dank!

Hier ein Blick auf’s Hütchen-Video

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Für mich völlig ungewöhnlich, löste sich Bonny plötzlich von mir und ging nochmal an den Stellen nachsehen wo wir gespielt hatten. Sie entfernt sich sonst (außer im jagdlichen Verhalten) eigentlich nie soweit von mir und ich war begeistert und werte das ebenfalls als Zeichen, dass ihr die Einheit mit Norbert Nitsch von dogs-point unglaublich viel Spaß gemacht hat.

Nachhaltige Verhaltensänderung

Auch die folgenden Tage bestätigten dies: Während Kira sonst vielleicht drei Mal pro Woche im Haus ein Spielzeug umher trug und zum Spielen aufforderte, stellte ich am nächsten tag überrascht fest, dass ich sie drei Mal mit Spieli im Fang erwischte.

Am darauffolgenden Morgen weckte sie mich sogar mit Spielzeug im Fang.

Nun gut, das mag nun nicht der Wunsch von jederfrau/ jedermann sein, dennoch ist es ein deutliches Zeichen wie viel Freude ihr das Spieleseminar bereitet hat. Also bauten wir Spieleinheiten in unsere Spaziergänge ein.

Was hat das nun mit Jagen zu tun?!

Nun, zum einen bestehen gemeinsame Spiel mit den Menschen ebenfalls aus der Beutefangsequenz des Jagdverhaltens. Zum anderen bietet es dadurch eine hervorragende Möglichkeit, Ansätze von Jagdverhalten zu belohnen.

Bonny spielt, zumindest im Vergleich zu Kira, nicht so gerne. Ihr Hobby liegt eher im realen Bereich – sie geht tatsächlich gerne jagen, so dass ich immer ein Auge auf sie haben muss. Im Verlauf unserer gemeinsamen Zeit haben wir ihr Hobby recht gut in den Griff bekommen. Ich habe für sie zahlreiche Belohnungen aus dem Jagdverhalten aufgebaut und kann sie mittlerweile sehr gut lesen, so dass sie dennoch oft im Freilauf sein und ihr Hundeleben genießen kann.

Die Erfolgsmeldung – Kombination von Jagen und Spielen

Durch eine Anregung von Petra, habe ich heute versucht, die Spielsequenzen, die wir bei Norbert gelernt haben, im jagdlichen Kontext auszuprobieren.

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Im Gebüsch hinter dem Zaun hat Bonny etwas Spannendes erschnüffelt. Da auf beiden Seiten des Weges Wildzaun ist, und ich vertrauen kann, dass sie dort keine Chance auf Jagen hat, entferne ich mich von Bonny und “schleiche” mich währenddessen an ein Felldummy an.

Das Felldummy liegt zufällig auf dem Weg. Wir hatten zuvor eine “Vorlorensuche auf der Rückspur gemacht. Bonny hat das Dummy nur bis zur hälfte zu mir gebracht, als sie es ausspuckte um den Geruch hinter dem Zaun, der ihr offenbar in die Nase gestiegen war, näher zu erkunden.

Wie ihr seht, reagiert Bonny nach  nur zwei Wochen Spieltraining auf “mein Anschleichen/ Belauern” des Spielis und bricht IHRE Jagdsequenz ab um in mein Spielangebot einzusteigen!

Ein beachtliches Ergebnis, wie ich finde – vielen Dank dafür Norbert!

 

 

 

Start ins neue Leben – Laborbeagle außer Dienst

Thinking Dog - Amira

Laborbeagle

Die Laborbeagle- Dame Amira, nach den ersten Markertrainingseinheiten bei Thinking Dog
Die Laborbeagle-Dame Amira, nach den ersten Markertrainingseinheiten

Heute durfte ich die bezaubernde Laborbeagle-Dame Amira kennen lernen:
Sie ist ein viereinhalbjähriger ehemaliger Laborbeagle. Also ein Hund, der innerhalb eines Labors lebte und an dem (vermutlich) Tierversuche durchgeführt wurden oder durchgeführt werden sollten.  Aus Ihrer Zeit innerhalb des Labors sind nahezu keine Details in Erfahrung zu bringen. Möglicherweise ist das aber auch ganz gut so.
Alle Details über Versuche an lebenden Tieren will man vielleicht gar nicht wissen…
Jedenfalls werden sehr häufig Beagle als Laborhunde missbraucht, weil sie als “Meutehunde” auf Verträglichkeit gezüchtet wurden in großen Gruppen zu leben.

Laborleben und seine Folgen

Amira lebt seit etwa einem Vierteljahr in Ihrem neuen zu Hause. Zuvor war sie bereits auf einer offensichtlich tollen Pflegestelle und wurde dort bereits auf ein “normales Hundeleben” vorbereitet.  Amira kann schon gut spazieren gehen. Oftmals sind Laborbeagle schon stark damit gefordert unterschiedliche Untergründe und andere Umweltreize zu meistern. In ihrer mittlerweile vertrauten Wohnumgebung konnte ich aber glücklicherweise  bisher keine Unsicherheiten feststellen.

Selbstverständlich wird sie aber auch nicht bewusst mit vielen erschreckenden Reizen konfrontiert.
Gerade bei depriviert aufgewachsenen Hunden – also Hunden, denen grundlegende Dinge zu ihrer Bedürfnisbefriedigung vorenthalten wurden – geht man ganz besonders behutsam vor und präsentiert unbekannt Dinge peu â peu und gibt dem Hund Zeit sich die “unheimlichen” Gegenstände oder Situationen” zu er- und verarbeiten. Mehr zu ängstlichen Hunden können Sie unter diesem Link nachlesen

Die Beschäftigungskiste, die ich für die erste Stunde extra für die Laborbeagle – Dame gepackt hatte, fand sie schon mal ziemlich spannend. Schöne weitere Indoorbeschäftigungen finden Sie bei meiner lieben Kollegin Christina Sondermann

Start ins schöne neue Leben

Ich darf Amira nun weiter darin unterstützen ein fröhlicher, lebenslustiger Hund zu werden, der mutig seine neue und definitiv schönere Welt erkundet.

Die nächsten Trainingsziele sind: “mutiger werden”, sich trauen zu “spielen und toben” und sicherer werden im “Umgang mit anderen Hunden”.

Wunderbare Ziele für einen Hund, der bisher noch nicht so viel kennen lernen durfte!

Entgegen meiner Vermutungen, die ich mir aus dem Telefonat mit der Halterin gebildet hatte, zeigte Amira sich schon heute zwar noch etwas vorsichtig aber doch sehr aufgeschlossen und neugierig zugewandt. Beagletypisch ist sie mit Leckerlis gut motivierbar, ich bin mir sicher, das wird eine schöne Entwicklung für Halterin und Hündin nehmen…

Wenn der Hund jagt – oder warum sich Jagdersatztraining auszahlt…

Was tun, wenn der Hund jagt

Heute, Ende März, ist ein diesiger Tag, wie sich unschwer an meinem Foto erkennen lässt.

Jagdersatztraing bei Thinking Dog
Diesiger Laubwald Ende März im Sauerland

Bald beginnt die Brut- und Setzzeit in NRW, d.h. die Wildtiere bekommen ihre Jungen und benötigen deshalb besonderen Schutz. Wenn Ihr also Hund jagt, ist die Lösung vorerst einfach, er muss zwingend angeleint werden. Was man aber zeitgleich tun kann, wenn der Hund jagt, dass erfahren Sie in diesem Artikel. Ich versuche auch über die Hintergründe aufzuklären warum der Hund jagt und wie ich damit umzugehen gelernt habe und wie mich meine Hündin immer wieder positiv überrascht

Jeder hat sein Päckchen zu tragen – das ist unseres

Als ich mich damals für die Rasse meiner Hunde entschieden habe, war mir wichtig, dass sie groß und kurzhaarig sind. Zudem wollte ich keinen Jagdhund haben. Schnell war dann sie Wahl auf die großen Schweizer Sennenhunde gefallen, von denen man sagt, dass sie verlässliche Beschützer sind, aber keine Jäger. Perfekt also!

Ich habe also keine typischen Jagdhunde (eigentlich sind sie, ganz rassetypisch, eher von der Kategorie Couchpotatoe (offiziell sind es Hof- und Wachhunde)), aber seitdem Bonny im Alter von etwa sieben Monaten ein aufgeregt gackerndes Huhn, welches aus Nachbars Garten den Weg über unseren Zaun gefunden hat, verfolgt hat, hat sie ihre Leidenschaft fürs Jagen entdeckt. Seit diesem einem Zufall ist sie einem kurzen Jagdausflug nicht abgeneigt, sofern sich die Gelegenheit bietet. Mein Hund jagt also doch…

Wenn der Hund jagt: “…Ach, das sind ja nur Vögel…!”

In den Anfängen ihres neuen Hobbys hatte sie eine Vorliebe für Vögel. Sehr schnell ist sie dann auch auf größere Säugetiere umgestiegen.  Die Vögel dienten für sie quasi als Übungsobjekt um sich auf “Größeres” vorzubereiten.
Und während ich bei Vögeln scheinbar noch einigermaßen entspannt bleiben konnte – schließlich können die ziemlich sicher entfliehen, verhält sich das bei Säugetieren nochmal ganz anders.  Abgesehen davon besteht ja selbst bei Vögeln die Gefahr, dass nicht nur dem vermeintlichem Beutetier doch etwas passieren kann, es gibt ja zusätzlich noch die Gefahr ungewollter Straßenüberquerungen und ähnlich schlimme Szenarien, die durch einen unkontrollierbar jagenden Hund entstehen können.

Die schlechte Nachricht wenn der Hund jagt

Da der “Jagdtrieb” (heute spricht man eigentlich von jagdlich motivierten Hunden und nicht mehr von Trieb) genetisch verankert ist, lässt sich das Jagen nur schwer unterbrechen.
Jagen dient ganz ursprünglich dem Beschaffen von Futter. Und selbst wenn das “Erlegen der Beute” nicht vollzogen wird, werden unglaublich viele Glückshormone im Körper des Hundes ausgeschüttet, die dafür sorgen, das das Jagdverhalten des Hundes (vorerst) bestehen bleibt und beibehalten wird. Alles andere wäre ja auch biologisch nicht sinnvoll.

Wenn der Löwe das Gnu einmal verfehlt und dann denkt, och das war nur anstrengend und hat Energie gekostet, dass lass ich zukünftig, würde er verhungern… und so ähnlich läuft die Geschichte auch noch bei unseren geliebten Vierbeinern ab. Selbst dann noch wenn sie bei uns im Laufe der Domestikation schon seit zehntausenden Jahren (überwiegend) gefüttert werden und gerade in der westlichen Welt eigentlich nicht hungern müssen wenn sie die Beute nicht erwischen. Die Natur hat also vorgesehen, dass auch bei Misserfolgen das Jagdverhalten der Hunde erst einmal sehr robust ist, d.h. es lässt sich nicht einfach verhindern oder unterdrücken. – Das ist die schlechte Nachricht.

Gibt es eine gute Nachricht wenn der Hund jagt?

Das Jagdverhalten besteht nicht einfach nur aus Jagen. Es setzt sich aus mehreren kleineren Segmenten zusammen. Es gibt unterschiedliche Varianten dieser Zusammensetzung. Ich orientiere mich hieran:

Jagen besteht aus folgenden einzelnen Verhaltensweisen:
Orientieren – Fokussieren – Beschleichen – Hetzen – Packen – Töten – Fressen

Bevor wir wahrnehmen, dass der Hund jagt, muss er sich also zunächst orientieren. Nimmt er Beute wahr, wird diese fokussiert.
Man kann sich das gut vorstellen, wenn man wieder an den Löwen denkt, der sich ein einzelnes Gnu aus einer Herde von Tausenden selektiert und dieses, und nur dieses wird dann auch bejagt, was sich durch anschleichen weiter ankündigt. Hetzen, packen töten und fressen ist, glaube ich, selbsterklärend…

Wenn der Hund jagt, ist das individuell!

Je nach Veranlagung des Hundes unterscheiden sich diese Sequenzen erheblich. Bei einigen sind einige Teile z. B. durch züchterische Selektion sehr groß geworden und andere dafür kleiner oder sind quasi gar nicht mehr vorhanden. Spezialisten sind z. B. Hütehunde, deren “Jagd-“Sequenz (Hüten ist aus dem Beutefangverhalten entstanden) aus Orientierung und Fokussierung und Hetzen besteht, die nachfolgenden Sequenzen dafür überwiegend nicht mehr vorhanden sind. Bei Treibhunden findet sich zudem noch das Packen in der angelegten Beutefangsequenz.

So hat jede Hunderasse aber auch jeder individuelle Hund seine ganz eigene Jagdsequenz

Jagen ist komplex

Aber zurück zum Thema; Jagdverhalten ist also komplex und wo bleibt nun die gute Nachricht?
– DAS ist die gute Nachricht: Hier können wir einsteigen!
Wenn das Beutefangverhalten, also das Jagen in seine unterschiedlichen Sequenzen zerlegt betrachtet wird, gibt es Belohnungsmöglichkeiten! “Wie jetzt?”, fragst du dich vielleicht, “ich soll das Jagen belohnen?”

wenn der Hund jagt, soll ich das Jagen belohnen???

Und ich sage:” Ja, unbedingt!” Wie ich oben schon schrieb ist das reine Verbieten eher nicht von Erfolg gekrönt. Zudem lässt es unsere Hunde ohne sich um ihre Emotionen zu kümmern zurück. Wenn ich aber belohne, kann ich erlaubte Ersatzhandlungen anbieten.

Schaut man sich  die Jagdsequenz nochmal genauer an:

  • Orientieren
  • Fokussieren
  • Beschleichen
  • Hetzen
  • Packen
  • Töten
  • Fressen.

Am Wildtier selbst kann ich die ersten drei Bestandteile bedenkenlos (mit entsprechender Distanz) erlauben.

Hetzen, Packen, “Töten” und Fressen kann ich an einem frei lebenden Tier natürlich nicht erlauben.

“Die Freieheit eines jeden einzelnen hört da auf, wo sie die Freiheit eines anderen einschränkt.

Allerdings kann ich sogar die letzten drei Sequenzen dann erlauben, wenn es um Ersatzbeute geht.

Also die gute Nachricht lautet, es gibt, wenn man Regeln beachtet und bereit ist zu trainieren, jede Menge Möglichkeiten für Belohnungen und für Interaktion zwischen Hund und Mensch.

Was heißt das konkret?

Seit Beginn von Bonnys Jagdleidenschaft arbeiten wir also daran ihr Hobby in geordnete Bahnen zu leiten:
Wir haben Belohnungen aus den Bestandteilen der Jagdsequenz aufgebaut und mit Signalen belegt.
Als Wachhund liebt Bonny ihre Gegend zu scannen – im Kontext des Jagens also die Orientierungsreaktion. Oft steht sie an den Sauerländer Abgründen und blickt die Abhänge hinunter und lässt sich die Gerüche in die Nase treiben und scannt mit den Augen ob sie nicht irgendwo was spannendes zum Jagend entdeckt. Beide Verhalten (Scannen und Riechen) haben nun einen Namen (Glotzen und Sniff).
Bei beiden ist mir wichtig, dass sie währenddessen ruhig steht. Das habe ich sehr oft belohnt und kann nun beide Verhalten auf Signal auslösen.

Fragst du dich jetzt:  “Was habe ich davon?”

Es verschafft mir zum einen Zeit:
Während Bonny schnuppert oder “glotzt” bleibt sie stehen. Das sind wertvolle Sekunden die ich mir sichere falls Bonny ihrer Leidenschaft frönen will.

Zum anderen kann ich durch richtig gute Belohnungen Verhalten verstärken. Und aus der Trainingslehre weiß man, dass Verhalten welches verstärkt wird häufiger und länger andauernd gezeigt wird.

Zudem hat sie einen zuverlässigen Rückruf auch der wird immer wieder trainiert und sehr hochwertig belohnt.

Zudem habe ich im Laufe der Zeit gelernt, Bonny gut zu lesen. Ich sehe mittlerweile, wenn sie einen spannenden Geruch in der Nase hat. Das setzt allerdings voraus, dass ich sie sehe…

Was vermuten lässt, dass die Sache doch noch einen Haken hat

Aber nein. Dadurch, dass Bonny tolle Belohnungsmöglichkeiten von mir bekommt, hat sie ebenfalls gelernt dass es sich lohnt in meiner Nähe zu bleiben. Sie liebt es Dinge gemeinsam mit mir zu erleben und entscheidet sich mittlerweile auch im Kontext von Wildsichtung sehr oft lieber gemeinsame Dinge mit mir zu tun anstatt einem Reh hinterherlaufen zu wollen…

Viel Spaß beim Trainieren!!!

#PositiveTrainingRockt

 

Tiergestützte Therapie – Bücherrezension

Vor einiger Zeit erhielt ich die Möglichkeit auf einem Blog ein Buch über tiergestützte Therapie zu rezensieren.

Da ich immer wieder hundebezogene Bücher lesen, habe ich mich entschlossen, euch zukünftig meine Ansichten über die gelesenen Bücher mitzuteilen. So wird hier also langsam, aber stetig wachsend, eine kleine “Bücherreihe” und meine Statements dazu erscheinen.

Und falls ihr euch fragt, wie es kommt, dass ich als erstes ein Buch über tiergestützte Therapie rezensiere, obgleich ist Assistenzhundetrainer bin? Die Antwort ist ganz einfach:
Ich schaue unglaublich gerne über den Tellerrand!

Praxis der hundegestützten Therapie“ von Wohlfahrt und Mutschler

Afiliate Link

Das Buch, welches ich rezensieren durfte, hat 229 Seiten geballte Informationen über den Einsatz von Hunden in therapeutischen Settings. Da ich eine sogenannte „Grünschleife“ bin, d.h. ich trainiere Hund nach den Grundsätzen von Trainieren statt dominieren (nachzulesen hier), war ich zunächst enttäuscht zu lesen, dass die Grundlagen dieses Buches Erziehungsmethoden präferiert, die rein körpersprachlich wirken. Meines Erachtens sind wir Menschen körpersprachlich nämlich niemals so gut und genau, wie Hunde das können, zudem beschränken wir uns indem wir unser eigenes Medium, die Sprache, außen vorlassen – doch ich greife vor, zurück zum Buch:

Studien untermauern die Aussagen

Angenehm aufgefallen ist mir, dass es sich hier um ein Hundebuch handelt, was erfreulicherweise mit reichlich Hinweisen zu Studien angereichert ist. Leider ist das bei anderen Hundebüchern oft nicht der Fall und es wird auf Basis von teilweise unwissenschaftlichen Einstellungen argumentiert. Angenehm auch, dass die Studien farblich in Kästchen abgesetzt sind. Ich empfehle, zunächst den normalen Buchtext kapitelweise zu lesen, um dann zu den Studien zurückzukehren. Anfangs hielt ich es anders, was mir ein „Reinkommen“ in das Buch sehr erschwert hat.

Thematisch gelungen

Thematisch finde ich das Buch außerordentlich gelungen. Es führt zunächst Begriffe und Definitionen ein, bietet eine Übersicht über die Merkmale Tiergestützter Therapie und die Abgrenzung zu Tiergestützten Interventionen und Assistenzhunden. Dabei werden die Grundlagen der Mensch-Hund-Beziehung und die Wirkfaktoren und Wirkungen tiergestützter Therapie erläutert.
Super gut gefällt mir, dass es ein eigenes Kapitel über Tierethik und Tierschutz gibt und dieses Thema, nämlich, dass der Hund und sein Wohlergehen im Vordergrund stehen sollte, immer mal wieder an relevanten Stellen aufgegriffen wird. So stellen die Autoren die Frage „Was hat der Hund von dieser Arbeit?“ Die Verfasser sehen es, meiner Ansicht nach, zu Recht kritisch, dass gerade Menschen mit Helfersyndrom oftmals ihre Hunde instrumentalisieren. Sie vermuten, dass diese Menschen über die Hunde versuchen Anerkennung zu bekommen. Bei den gewählten Worten sollte jedem klar werden, dass das keine gute Idee ist.

Der Erziehungsteil, naja…

Nicht zufrieden bin ich mit dem, glücklicherweise nur kleinem Teil des Erziehungsratgebers.

Die Autoren präferieren nonverbale Kommunikation mit dem Hund, als sie über Hör- und/ oder Sichtzeichen zu „dressieren“; sie finden Tricks würdelos; unterstellen, dass Dominanz und Unterordnung zusammenhängen. Sie sind der festen Überzeugung, dass der Hund es als sinnvoll erachtet einen Korb mit Materialien gefüllt zum Auto zurück zu tragen, weil das weniger aufwendig für den Hund sei, als alle Dinge einzeln zu transportieren. Mag sein, dass ein Retriever gerne Dinge trägt und das auch selbstbelohnend für ihn ist und somit keine Leckerlis als Bezahlung erfordert. Dass ein Hund die mentale Kapazität haben soll, dass Körbe tragen effizienter ist als die Dinge einzeln zu tragen, halte ich hingegen für sehr fragwürdig. Ebenso die These, dass Tricks würdelos seien: Es gibt viel zu viele Hunde, denen man die Freude ansieht Tricks zeigen zu dürfen. Ich würde mit den Autoren konform gehen, wenn die Behauptung wäre, dass in einer tiergestützten Therapie das bloße Zeigen von Tricks zu kurzgefasst sei. Leider blieb diese These („Tricks sind würdelos. “) in dem Abschnitt wie oben beschrieben stehen, wenngleich sie auch in anderen Teilen des Buches darauf verweisen, dass ein Hund innerhalb der Therapie viel mehr zu leisten bereit ist.

Welcher Hund ist geeignet

Kommen wir zur Hundeauswahl, die ebenfalls berücksichtig wird. Mir gefällt, dass die Verfasser den Bereich Tierschutzhund ansprechen. Letztlich kommt ein Tierschutzhund für sie aber nicht in Frage, weil sie der Meinung sind, dass ein Hund mit unbekannter Vorgeschichte schlecht einzuschätzen und damit ein Überraschungspaket sei. Dann erläutern sie die Vorteile von geeigneten Welpen, gehen dabei auch kritisch mit Züchtern und deren Aussagen um, was mir ausgesprochen gut gefällt. Doch abschließend schreiben sie, dass ein Welpe eben auch ein Überraschungspaket sei. Sicherlich haben Sie mit beidem Recht, das Leben bietet Überraschungen… Von meinem Standpunkt aus haben sie in ihrer Betrachtung außen vorgelassen, dass Tierschutzhunde, da sie meistens schon erwachsen sind, stabiler in ihrem Verhalten sind. Ein langsames Kennenlernen könnte Überraschungen ausschließen, wenngleich sich auch Hunde nach einer längeren Eingewöhnungszeit im neuen Heim nochmal ändern können. Das auch Tierschutzhunde Hunde mit Job sein können zeigte unlängst eine englische TV Serie(Rescuedog to Superdog), die mehrere Tierschutzhunde innerhalb eines sehr kurzen Zeitraums zu unterschiedlichen Assistenzhunden ausgebildet hat.

Instinkte, Triebe, Bedürfnisse

Weiter geht’s mit der geeigneten Rasse, die Autoren unterschieden vier Instinkte der Hund, die mehr oder weniger gut für die Nutzung als Therapierhund geeignet seien. „Rudelinstinkt“, „Territorialinstinkt“, „Jagdinstinkt“ und „Sexualinstinkt“. Instinkt, wird hier analog zu Trieb verwendet. Die Triebtheorie ist allerdings seit 1998 von Jaak Pankseep durch das Modell von verschiedenen Bedürfnissen (siehe auch hier) abgelöst worden. Bleibt man bei den Erläuterungen der Autoren, so kann man Rudel- und Jagdinstinkt sehr gut für die Therapiehundearbeit nutzen, die anderen beiden An-Triebe allerdings eher weniger. Was zunächst – abseits des veralteten Modells – einleuchtend ist, wird aber sehr fragwürdig  argumentiert: So behaupten die Autoren zur Untermauerung ihrer Thesen, dass Herdenschutzhunde die Herde aufgrund dessen verteidigen, weil sie territorial seien. Befasst man sich allerdings mit dem Ursprung von Herdenschutzhunden so weiß man, dass Herdenschutzhunde zumindest ursprünglich postnatal selektiert wurden, d.h. dass NACH ihrer Geburt entschieden wurde, ob sie als Herdenschutzhund geeignet waren. Dazu verbringt man sie im Alter von vier Wochen in die Herde, die sie später schützen sollten und beobachtet, ob sie sich wie gewünscht entwickeln. Die Hunde lernen die Herdenmitglieder als Teil ihrer Sozialverbandes kennen und beschützen diese anschließend. Diese Bindung zur eigenen Herde ist sogar so eng, dass es später schwierig bis unmöglich ist, diese Hunde an eine andere Herde zu binden!
Mit den Worten der Autoren leben Herdenschutzhunde also den „Rudelinstinkt“ extrem gut aus, einen Instinkt, der, laut ihnen, besonders gut für die Therapiearbeit einsetzbar ist.
Ebenso kann der „Jagdinstinkt“ nur dann sinnvoll genutzt werden, wenn man sich wie von den Autoren empfohlen, an Rassen hält, die für die Arbeit nach dem Schuss gezüchtet wurden. Wie sonst sollte wohl eine Stöberleidenschaft eines Jagdhundes oder das Packen eines Jagdterriers für eine sinnvolle Therapiehundearbeit eingesetzt werden?

Zurück zu den Herdenschutzhunden (HSH): Selbstverständlich stimme ich mit der Meinung der Autoren überein, dass HSH eher nicht für den Einsatz als Therapiehund geeignet sind. Aus meiner Sicht, stehen einer Ausbildung als Therapiehund schon alleine die lange juvenile Phase und die frühe Alterung, losgelöst von der sonstigen Eignung bzw. Nicht-Eignung, entgegen.
Die Erklärung von Wohlfarth und Mutschler jedenfalls, ist mehr als fragwürdig und damit aus meiner Sicht, auch der ganze Ansatz über die Instinkte und die geeignete Hundeauswahl in der tiergestützen Therapie.

Tiergestütze Therapie und die Rassefrage

Nachdem sich die Verfasser für Retriever als besonders geeignete Hunderassen ausgesprochen haben, weil sie aggressionsfrei seien – kein Tier ist aggressionsfrei! Es mag Tiere geben, die eine hohe Reizschwelle haben, aber aggressionsfrei? – befürworten die Autoren Welpen Tests. Wissenschaftlich erwiesen ist jedoch, dass kein einziger der vielen Welpen Tests, eine gute Vorhersage treffen kann über die weitere Entwicklung des Hundes. An anderen Stellen erwähnen die Autoren auch selbst immer wieder, dass ein Hund ein „Überraschungspaket“ ist. Mir ist nicht klar, warum sie in diesem Fall nicht an ihrer Aussage festhalten und die Tests stattdessen als geeignet empfehlen. Meiner Meinung nach können sich dadurch falsche Vorstellungen auftun.

Das mir der Teil des Buches, bei dem beschrieben wird, wie man Welpen vom Menschen anspringen abhält und wie man dem Hund beibringt, dass er Frust aushält, ganz und gar nicht gefällt, brauch ich denjenigen, die sich selbst der Erziehungsmethode von „Trainieren statt dominieren“ verschrieben haben nicht zu erklären. Aus meiner Sicht lernt der Hund, wenn man wie im Buch beschrieben vorgeht, dass man seinem Menschen nicht immer vertrauen kann. Das ist, wie man sich leicht vorstellen kann, sicher nicht das geeignete für einen angehenden Hund der tiergestützt arbeiten soll.

Ich hätte mir gewünscht, dass der Welpenerziehungsteil so kleinschrittig und fürsorglich wie die Gewöhnung an die spätere Arbeitsstätte geplant, trainiert und beschrieben oder ganz außen vor gelassen worden wäre.

Trocken, aber wichtig:  Juristische Aspekte

Nach dem, für mich eher anstrengenden Teil mit den Erziehungstipps, folgen in dem vorliegenden Buch, noch Kapitel über juristische Grundlagen, Dokumentation und Bezahlung der Arbeit des Therapiehundeteams. Auch hier fließt nochmals ein, dass der Hund seine Arbeit als sinnhaft erleben soll. Im letzten Kapitel wird abschließend klar, dass Therapiehundeeinsatz gesetzlich weitgehend ungeklärt ist. Der Wunsch nach einer einheitlichen Klärung ist gut erkennbar und auch aus meiner Sicht wäre eine einheitliche Regelung sehr sinnvoll.

Resumee

Insgesamt finde ich das Buch – abzüglich des Erziehungsteils, sehr ansprechend, umfassend und inhaltlich gut aufbereitet und mit stützenden Studien hinterlegt. Mutschler und Wohlfarth erläutern den Ausbildungsbedarf beim Hund und geben aber auch der zwingend benötigten Ausbildung des Menschen ausreichend Raum. Das Buch liefert Checklisten und geht auch kurz auf die Unterschiedlichkeit der Erfordernisse z.B. bei den Erlaubnisanträgen der jeweiligen Veterinärämter ein. Das Buch bietet keine Rezepte für Interventionen und verweist aber auf andere Bücher, die diesen Fokus haben.

Rund um ein umfassendes Buch zum Thema Ausbildung und Einsatz von Hunden in der tiergestützten Therapie. Vorbehaltlich der Erziehungstipps für die Welpen empfehle ich dieses Buch als Standardwerk für jeden, der sich mit dem Thema eingehend beschäftigen möchte.

Meinen Artikel findet ihr hier im Original: http://www.med-press.de/hunde-als-ziemlich-beste-helfer/