Woran erkenne ich dass mein Hund nicht alleine bleiben kann?

Hunde, die nicht gelernt haben alleine zu bleiben, haben Stress.

Stress treibt den Cortisonlevel nach oben

Ein hoher Pegel an Stress macht unausgeglichen.

Biologisch gesehen ist Trennungsangst, wie Trennungsstress früher genannt wurde, ein psycho-sozialer Stressor: Er aktiviert  die Stressachse.

Das führt dann unter Umständen auch in anderen Bereichen zu mehr Problemen: 
zum Beispiel Hundebegegnungen, Leinenführigkeit, exzessives Buddeln und/ oder andere Verhaltensweisen.

Aus diesem Grund empfehle ich dir deinen Hund immer mal wieder zu filmen, wenn du ihn alleine lassen musst.

Erfahrungsbericht

Heute habe ich bei meinen Hunden die Kamera mal wieder mitlaufen lassen als ich sie alleine gelassen habe:

Die Kamerasicht deckt dabei die Wohnungstür und das Wohnzimmer ab.
Ich habe die Hunde etwa eine Stunde alleine gelassen.

Rituale geben Hunden Sicherheit

Bevor ich gehe, sieht unser Alleine-Bleib-Ritual wie folgt aus: 

  • Ich ziehe mir Jacke an und nehme die Schlüssel vom Schlüsselbrett
  • Falls die Hunde mich dabei verfolgen sollten, sage ich ihnen, dass sie nicht mitkommen können (ein bestimmter Satz).
  • Ich stelle unsere Entspannungsmusik an.
  • Ich gehe zur Wohnungstür und schließe sie hinter mir ab.

Eine Vorab-Einschätzung meiner Hunde:

  • Kira (Großer Schweizer Sennenhund, 6,5 Jahre) hat keinerlei Trennungsstress
  • Gegen Bonnys (Großer Schweizer Sennenhund, 6,5 Jahre)Trennungsstress habe ich im letzten Jahr trainiert, das müsste OK sein.
  • Dibo (Rhodesian Ridgeback 8 Jahre, Pflegehund) kann nicht gut alleine bleiben.
    Er jault und bellt nicht (mehr) während des Alleinebleibens,
    aber ist vermutlich nicht sonderlich entspannt

Fazit:

Kira habe ich während der eine Stunde nicht ein einziges Mal auf dem Video gesehen. Sie hat die Zeit im Schlafzimmer auf ihrem Lieblingsplatz verbracht.

Bonny und Dibo liegen während meiner Vorbereitungen auf dem Teppich im Wohnzimmer. Sie laufen nachdem ich die Wohnung verlasse zur Tür und bleiben wartend stehen.

Bonny geht ins Schlafzimmer nachdem sie das Auto wegfahren hört und ruht dort bis zur Minute 45.

Dibo steht noch etwas ratlos alleine an der Tür herum. Nach der 5. Minute legt er sich ins Wohnzimmer. Dort liegt er bis zur Minute 15 in wechselnden Positionen.
Dann steht er auf, geht erneut zur Tür und anschließend ins Schlafzimmer, dort hält er es von Minute 20 - 36 aus und kommt zurück ins Wohnzimmer um sich erneut dort hinzulegen.

In Minute 45 geht er nochmal zur Tür und guckt raus. Dann geht es nochmal ins Schlafzimmer, dort holt er Bonny ab und beide gehen zur Tür.
In Minute 46 bellt Bonny (da ist normalerweise Fütterungszeit) sie animiert Dibo zum Spielen, der nach einem weiteren Beller das Spiel abbricht.
Als Bonny wieder"schweigt" beginnt erneut ein einminütiges Spiel.

Danach ruhen beide auf dem Teppich im Wohnzimmer.

Fünf Minuten später hören sie das Auto und bellen an der Wohnungstür bis ich sie öffne.


Was würde ich ohne Videoaufzeichnung bemerken?

Nichts ist in der Wohnung zerstört.

Niemand hat übermäßiges Bellen gehört.

Ohne meine Aufzeichnung mit einem alten Handy würde ich rein gar nichts mitbekommen!

Obwohl die Wohnung nicht zerstört ist, kann man nicht sagen, dass alle Hunde entspannt aushalten können, dass sie alleine bleiben müssen.

Allgemeine Anzeichen für Trennungsstress

 
  • Destruktives Verhalten
  • Lautäußerung
  • Absetzen von Kot und Urin

seltenere Symptome: 

Lethargie, Appetitlosigkeit, Hyperventilation, exzessives Speicheln, Erbrechen, Durchfall, gesteigerte motorische Aktivität, übermäßige Körperpflege und selbstverletzendes Verhalten

 

Trennungsstress?

Dibo war während der ganzen Stunde unruhig, das fällt unter “gesteigerte motorische Aktivität”.

Wenn ich zuhause bin, kann Dibo stundenlang auf seinem aufgesuchten Plätzchen liegen und dabei bewegt er sich kaum.

Im aufgezeichneten Video hat er maximal kurze Minuteneinheiten gedöst, so kann er weder richtig schlafen noch kann er sich erholen.

Bei Bonny fiel mir damals auf, dass sie jedes Mal wenn ich nach Hause kam hektisch zum Wassernapf lief und ausgiebig getrunken hat. Daraus habe ich geschlossen, dass sie vermutlich viel gehechelt hat (Stresssymptom) und/ oder während meiner Abwesenheit so gestresst war, dass sie sich nicht um ihre Wasserzufuhr kümmern konnte…

Manchmal sind die Anzeichen für Trennungsstress subtil!

Klar wirkt das erstmal nicht erschreckend, schließlich ist alles heile geblieben und niemand der Nachbarn wurde gestört… –

Aber kann man oder sollte man so damit umgehen?
Zumal wenn man berücksichtigt, dass Trennungsstress die Kehrseite der Medaille von Bindung ist? Bindung wollen wir doch alle?!

Dann , so finde ich zumindest, müssen wir auch daran arbeiten, dass auch leichter Trennungsstress bei unseren geliebten Vierbeinern behoben werden sollte. 
Ich zumindest möchte, dass meine Hunde auch lernen, dass sie sich ohne mich wohl fühlen können…

Die heutige Videodokumentation zeigt mir wieder, dass Dibo lernen muss sich ohne seine Bezugsperson wohl zu fühlen… Das ist nämlich der wichtigste  Baustein vom Allein-bleib-Training…

 

Dibo zieht bald  um!

Da der Dibo mittlerweile vermittelt ist (Yeah, im Juni zieht er in sein neues Für-Immer-zu-Hause!!!), werde ich das Allein-bleib-Training mit ihm nicht mehr starten.

Allerdings gebe ich seiner neuen Familie einen Trainingsplan mit auf den Weg, damit das Training im neuen Zu Hause beginnen kann.
Die neuen Besitzer sind super motiviert und haben bereits sicher gestellt, dass Dibo im neuen Heim vorerst eine Rundumbetreuung hat und in den nächsten Monaten gar nicht alleine bleiben muss. So kann ganz in Ruhe trainiert werden – ein Traum!