6 Tipps für ängstliche Welpen

Was tun bei ängstlichen Welpen?

Überlegen wir erst einmal was der Hintergrund dieser Frage ist:
Der Welpe verlässt etwa im Alter von 8 bis 12 Wochen seine Familie und damit auch seine bisher bekannte Welt.
Auf den Welpen prasseln viele neue Situationen ein – alles ist zunächst anders und ungewohnt.
Je nach Herkunft  – und was die Welpen beim Züchter oder ihrer Ursprungsfamilie kennengelernt haben –  sind sie in der Lage unterschiedlich gelassen zu reagieren und sich entsprechend an die neue Umgebung anzupassen. Das kann von sehr ängstlich bis sehr neugierig variieren und ist natürlich auch abhängig vom Charakter des jeweiligen Welpen (Shyness- Boldness- Continuum).

Diese Unsicherheit erkennt man leicht, wenn man dem Welpen einen neuen Gegenstand präsentiert und sich die

Welpesitzend - photo by https://unsplash.com/@branch_portraits
Foto: Branch Portraits

Nase zwar vorsichtig annähert, das Hinterteil aber möglichst lange am gleichen Fleck stehen bleibt und sich der junge Hund immer länger streckt. Oft schrecken sie auch bei ihren Erkundungen zusammen und der Hals, zuvor noch giraffengleich,  ist wieder ganz schnell auf normale Länge zurück geschrumpft.

Dieses Verhalten ist biologisch äußerst sinnvoll: Neues ist immer potentiell gefährlich! In der Natur überleben die Vorsichtigen einfach länger! Niemand, der die Reißzähne des Bären in freier Natur im Detail untersuchen wollte, hat es geschafft, sich anschließend fortzupflanzen.
Angst vor Neuartigem ist biologisch gesehen also äußert sinnvoll.

Wie aber können wir unserem ängstlichen Welpen jetzt dabei helfen, dass er Mut findet, den (ungefährlichen) Dingen auf den Grund zu gehen?

  1. Der Welpe bekommt von uns alle Zeit der Welt. Er darf Dinge in seinem Tempo erkunden.
    Welpezoegerlich - Foto: Branch Portraits
    Foto: Branch Portraits
  2. Wir können den Welpen unterstützen, indem wir uns selbst eingehend mit den Dingen beschäftigen (oder so tun, als wäre es das spannendste der Welt) und den Welpen so zu animieren, sich freiwillig! auch mit dem Gegenstand zu beschäftigen. (Der Welpe wählt dabei seinen Wohlfühlabstand.)
  3. Falls es sich um bewegte Objekte handelt, können wir evtl. dafür sorgen, dass wir Bewegung herausnehmen. Wenn beispielsweise die rollende Mülltonne unheimlich ist, können wir den Welpen Erkundungsversuche unternehmen lassen, wenn die Tonne steht.
  4. Wir können den Welpen für “sicheres Beobachten aus der Ferne” belohnen. Um im Beispiel zu bleiben: Wenn die Tonne von jemandem gerollt wird, schauen wir in einer Entfernung, in der der Welpe sich noch wohl fühlt zu und belohnen das ruhige Hinschauen. Beim Schauen setzt sich der Welpe mit der Tonne auseinander und lernt.
  5. Kommt etwas für den Welpen Unheimliches auf ihn zu und er sucht Schutz bei Ihnen, dann schützen Sie ihn bitte. Es ist elementar, dass der Welpe lernt, dass er sich auf Sie verlassen kann.
  6. Letztlich kann man auch Vor- und zurückpendeln.
    Das ist eine Trainingstechnik, die sehr schnell und effektiv ist. Da es hier auf Details ankommt, fragen Sie ihren Trainer nach entsprechender Anleitung.

Geht’s nicht ein kleines bisschen schneller?

SelbstbewussterWelpe
Foto. Andrew Pons

Wie eingangs schon erwähnt, liegt die Neugier ihres Hundes auch in seiner Persönlichkeitsstruktur verankert.
Forcieren Sie nun einen Welpen seine natürlichen Grenzen zu missachten, z. B. indem Sie den Welpen mit Leckerlis zu dem unheimlichen Objekt locken, so fügen sie zu dem “Stress” (rein körperlich empfindet der Hund Stress wenn er sich im Konflikt zwischen Annäherung und Distanz befindet) zusätzlichen Stress hinzu. Bei futterliebenden Tieren, kann es passieren, dass sie sich aufgrund des Lockmittels annähern, weil sie nur noch das Futter im Kopf haben und die “Gefahr” ausblenden. und Plötzlich befinden sie sich in einer Situation wieder, in die sie sich ohne Futter nie hineinbegeben hätten. Eine wilder Fluchtversuch startet.
Das kann mitunter gefährlich werden, sicherlich wird sich ihr Hund beim nächsten Mal eher vorsichtiger als mutiger annähern.

Meine Empfehlung lautet  also: Nein, bitte versuchen Sie nichts zu beschleunigen. Sie haben noch ein ganzes Hundeleben Zeit. Haben Sie Geduld mit sich und mit ihrem Hund. Freuen Sie sich über die kleinen Schritte.
Ihr Hund wird es Ihnen Danken und auch mein Herz haben Sie so gewonnen!

Woran erkenne ich eine gute Welpengruppe

Zeus unterwegs

15 Hinweise, die das Erkennen erleichtern:

Ich möchte mit meinem Welpe in eine Welpenspielstunde* – woran erkenne ich, eine “gut geführte” Welpen-Stunde?

Welpen verlassen meistens mit  der achten Woche ihr bis dahin bekanntes Universum und ziehen bei ihrer neuen Familie ein. Üblicherweise bricht dann auch der Kontakt zu ihren Geschwistern ab. Viele haben zunächst gar keine hündischen Kontakte mehr.

Hier startet das Konzept der Sozialisationsphase.

Je mehr gute Erfahrungen  der Welpe in den sensiblen Wochen machen kann, desto gelassener kann er in seinem zukünftigen Leben damit umgehen. Selbstverständlich gehören gerade Hunde als innerartliche Sozialpartner zu den Dingen, mit denen ein Welpe gelassen umgehen lernen sollte; ja sogar lernen muss!

Eine Bulldogge hat eine gänzlich andere Mimik wie ein Windspiel, ein Mops oder gar ein Shar Pei oder Briard. All diese Feinheiten (und noch viel mehr) kann oder könnte ein Welpe in einer optimal geführten Welpengruppe kennen lernen,

Kennenlernen heißt, sich in seiner individuell benötigten Zeit mit Dingen (Objekten und Subjekten) vertraut zu machen. Das Optimum wäre also eine Lerngelegenheit, in der zunächst zwei Welpen Kontakt hätten und sich entdecken könnten.

Individuelle Traumwelt

Genial wäre es wenn man in etwa das gleiche Alter oder zumindest ein ähnliches Gewicht und ein ebenbürtiges Temperament mischen könnte. Je nach Reaktion und oder Tagesverfassung der Welpen kann man diese Kleinstgruppe neu mischen, noch vergrößern oder dem Welpen, dem sogar dieses Minimum zu viel, erst mal nur zusehen lassen (Vielleicht ist er heute das erste Mal dabei und kennt weder Platz noch Leute und schon damit am Rande seiner Kapazitäten – wir vergessen zu oft, dass die Hunde auch die ganzen Gerüche zu verarbeiten haben). Jedenfalls könnte dieser überwältigte Knirps die Hunde in einem abgetrennten Bereich mit seinem Halter beobachten und später den hundefreien Platz abschnuppern und in den nächsten Stunden würden weitere Anläufe gemacht, bis dieser ängstliche Welpe, seine ersten Hundefreunde kennen lernen möchte.

Zurück aus der Traumwolke

Die Realität hat uns wieder. Gerade in ländlichen Gebieten, mit vielen Hundeschulen und ansonsten wenig menschlicher Bevölkerung, gibt es diese Welpenvielfalt leider nicht.
Während die Hundebesitzer mit dem Ziel vor Ort sind, dass ihr Welpe möglichst viele Erfahrungen sammeln soll (sinnvoller wäre: möglichst gute!), stehen die Trainer (teilweise) vor dem Dilemma, dass es nicht genügend Welpen im gleichen Alter und mit ähnlichem Aktivitätsniveau gibt.
Da werden mitunter Altersgrenzen ausgeweitet: Und Hunde, die schon deutlich älter sind, dürfen weiterhin an der Welpengruppe teilnehmen, nur um die Gruppen zu füllen.

Nein – ich habe gar nichts dagegen, altersgemischte Gruppen anzubieten. Aber Welpengruppen sind bitte mit sehr souveränen Althunden zu mischen. Pubertierende Hunde haben in Welpengruppen nichts zu suchen.
Zu oft mobben die körperlich überlegenen, die ängstlicheren Welpen. Leider ist diesbezüglich auch bei reinen Welpengruppen Achtsamkeit geboten und hier kommen wir nun zu den Tipps:

kostenlose Welpenberatung
Entspannt ins Leben

Woran erkenne ich eine GUTE Welpengruppe?

  • Die Welpenstunde ist deutlich kürzer als eine Stunde. 45 Minuten ist in meinen Augen die Höchstdauer.
  • Der Untergrund ist rutschfest und besteht -indoor wie outdoor – aus weichem Material
    (spezielle Gummimatten, Mulch, Sand, Gras, Waldboden,…)
  • Der Trainer hat umfassende neueste, wissenschaftliche Kenntnisse über Hunde. Meines Erachtens sollten auch Hundevereine über einen Sachkundenachweis (§11 TschG) verfügen, auch wenn das gesetzlich nicht verlangt wird. Erklärungen von Rudelstellung, Rangfolge, Dominanz und Sätze, die “Das machen die unter sich aus.” beinhalten, sind ein No-go. Diese Konzepte sind längst überholt.
    Eine solche Hundeschule arbeitet nicht nach neuestem, tierschutzgerechtem Wissensstand.
    (Leider bietet auch der §11 TschG kein verlässliches Qualitätsmerkmal.)
  • Es herrscht ein freundlicher Umgang mit Mensch und Tier. Verhalten wird nicht über Körpersprache (Blocken) oder Anschreien gehemmt, sondern ignoriert oder gemanagt, bis ein entsprechendes Alternativverhalten abrufbar ist.
  • Erziehungshilfen wie Stachel- oder Sprühhalsband, superdünne Halsbänder (Moxon- oder Kettenhalsbänder), Wurfketten (Fisher-Discs) sind tabu. Auch Leinenrucke (oder geschönt: Leinenimpulse), körperliche Korrekturen (zwicken, Schnauzengriff, in die Seite pieksen) erschweren Lernen, da sie das Stressniveau nach oben treiben und sind daher ein absolutes K.O. Kriterium.
  • Die Gruppe sollte nicht aus mehr als 6 Welpen bestehen. Lieber nur vier. Auch die Erhöhung der Traineranzahl bei steigender Gruppengröße verbessert den steigenden Stresslevel nicht und erschwert damit Neues zu lernen.
  • Alle Welpen sind Willkommmen. Rasse oder Mix spielt dabei keine Rolle.
  • Gerne häufig wechselnde Teilnehmer. Also kein fester Kurs, sondern fortlaufend um die Hundevielfalt sicherzustellen.
  • Es wird nicht nur gespielt. Die Welpen lernen sonst viele Dinge, die im späteren Leben mühsam wieder umgelernt werden müssen. So z.B.: anderer Hund = Tobeeinheit.
  • Spieleinheiten sollten unbedingt von vielen und lange andauernden Entspannungssequenzen unterbrochen werden. Lernziel sollte sein, dass die Welpen auch in Anwesenheit anderer Hunde entspannen können.
    Gerne können kleine,spielerische Lerneinheiten folgen.
  • Die Spielaktionen dauern nur kurz und werden unterbrochen wo es notwendig ist.
    Fängt ein Hund an zu mobben oder aufzureiten, unterbricht der Trainer bzw. leitet die Halter dazu an. Danach erläutert er die Situation wird für alle Anwesenden und schult so die Fähigkeit aller Halter Ihre Hunde gut zu beobachten und ein Gefühl für die Situation zu entwickeln.
  • Lernziel sollte auch eine gute Umweltgewöhnung sein, also angepasst wackelige Untergründe, verschiedene Bodenbeläge, Vorhänge, Tunnel, sonstige Enrichmentartikel oder geeignete Objekte in der normalen Umwelt sollten vorhanden sein und ins die Stunden eingebunden werden.
  • Aufgrund der, oben erwähnten, wechselnden Teilnehmer, passt der Trainer die Übungsaufgaben individuell angepasst. Bei unterschiedlichem Leistungsstand kann nicht jeder das gleiche von seinem Hund erwarten. Darauf geht ein guter Trainer ein.
  • Individuelle Fragen, die den Rahmen der Stunde nicht sprengen, beantworten die Trainer bereitwillig. Insgesamt bemüht sich der oder die Trainer den Hundebesitzern viel vom Ausdrucksverhalten der Welpen/ Hunde zu vermitteln, damit die Besitzer ihren Hund besser kennen lernen aber auch andere Hunde besser deuten können.
  • Eine gute Hundeschule wird immer zulassen, das man eine Stunde ohne Hund zusehen kann um sich einen ersten Eindruck zu verschaffen. Nehmen Sie das Angebot wahr!

Alles andere sind Tierversuche

Achtung, es wird leicht zynisch:
Einen Welpen in eine schlecht geführte Welpengruppe zu stecken, fällt meiner Bewertung nach unter die Kategorie: Experiment  –  Sie starten also gewisserweise  einen Tierversuch!

Definition Experiment:

Das Experiment kann (…) darin bestehen, (…) eine bis dahin nicht beobachtete Situation herbeizuführen und sich vom Ergebnis „überraschen zu lassen“  (Quelle: Brockhaus zit. nach  Wikipedia)

Der Besuch einer Welpengruppe ohne vorherige Informationsgewinnung ist also ein Experiment mit ungewissem Ausgang…
Schlechte Erfahrungen, die in der Zeit der sensiblen Phase gemacht werden, sitzen nachhaltig!
Diese Erfahrungen – schlimmstenfalls sind es Traumata – sind im Nachgang nur nur sehr aufwendig zu beheben.
Ich hoffe, Sie sorgen vor (Informationsbeschaffung) und lehnen vermeidbare Tierversuche ab.

Im Zweifel entscheiden Sie sich lieber für qualitativ hochwertiges Einzeltraining als in eine mittelmäßig geführte Welpengruppe zu gehen.  Ihr Welpe wird es Ihnen danken.

Ich wünsche Ihnen und ihrem Welpen gute Entscheidungen und hoffe, dass Sie eine gute Welpenschule finden!