Bedürfnisorientiert! – warum ich so arbeite, wie ich arbeite

Vorstehhund von Gabi Eder / pixelio.de

Kreatives Training setzt Grenzen UND berücksichtigt Bedürfnisse

Letzte Woche hatte ich eine Konversation über die Erziehung von Hunden, speziell von Jagdhunden. Mein Gegenüber Jägerin, im Besitz von ausgebildeten Jagdhunden.
Ihre These: Jagdhunde kann man nicht nur mit Heititei und Wattebauschwerfen erziehen.
Da frage ich mich nun, was mit Heititei gemeint ist?

Hier ein Erklärungsversuch aus meiner Sicht:

Meine Vorstellung ist, dass ich mit meinen Hunden friedvoll zusammen leben möchte. Ich möchte nicht, dass sie aus Furcht vor Strafe gehorchen, sondern weil sie Spaß daran haben,  gemeinsam Dinge mit mir zu machen.
Gleichzeitig ist auch mir bewusst, dass Hunde, gerade in der heutigen Zeit, nicht nur und immer und überall Hunde sein dürfen, sondern sich Regeln zu unterwerfen haben, die wir Menschen ihnen auferlegen (z.B. unerlaubtes Jagen ist verboten).

Mein Trainingsansatz zielt darauf ab, das „gutes“ Verhalten, welches vor dem unerwünschten Verhalten gezeigt wird zu verstärken. Wenn ich dieses noch erwünschte Verhalten also belohne, wird dieses Verhalten länger und häufiger gezeigt. Fällt meine gewählte Belohnung in das aktuelle Bedürfnisschema des Hundes, kann ich damit ein gutes Alternativverhalten aufbauen. Die Betonung liegt hier auf „gut“.
Konkret heißt das: Belohne ich das kurze Verharren (Vorstehen) vor dem Hetzversuch des Hundes, mit zB einem alternativen Hetzspiel (von mir initiiert), so wird der Hund den Auslöser „Wild“ mit stehenbleiben und anschließendem Hetzspiel mit seinem Halter assoziieren und dieses bei entsprechendem Trainingsstand selbständig anbieten. Bis der Hund dieses Verhalten sicher anbietet, wird er (mindestens stellenweise) an der Schleppleine geführt um unerwünschtes Verhalten zu vermeiden. Oben genannter Abschnitt wäre meine Idee von „Heititei“.

Vorstehhund - Gabi Eder / pixelio.de

Vorstehhund von Gabi Eder / pixelio.de - Vorstehen ist bedürfnisorientiert
Vorstehhund von Gabi Eder / pixelio.de

Wenn ich nun aber die Ansicht habe, dass das Alternativverhalten des Hundes bei Wildsichtung sein soll, dass er sich platt auf den Boden presst (Down mit Kopfablegen) um das Wild möglichst aus seinem Sichtfeld zu haben und nicht Gefahr zu laufen doch hinterher zu hetzen, dann gehe ich konform. Dieses Verhalten wird nicht (leicht) mit Heititei umsetzbar sein. Warum? Für den Hund lohnt sich das Verhalten schlichtweg nicht!
Während bei der „Heititeimethode“ der Hund zur Belohnung dem Wild noch hinterher sehen darf, muss sich der Hund bei der Methode der Jägerin in Enthaltsamkeit üben.
Für mich hört sich das nicht nach Spaß an…

Wer mich kennt, weiß, dass ich versuche gewaltfrei zu leben…
In der Gewaltfreien Kommunikation geht man davon aus, dass alle Menschen (Lebewesen) gleiche Bedürfnisse haben und wir uns nur in den Strategien unterscheiden. So lang ich also offen genug bei den Strategien bin, finde ich kreative Lösungen, die die Bedürfnisse aller Beteiligten berücksichtigen…

Auch mit „Heititei-Methoden“ kann ich den Hund vom Jagen abhalten, allerdings stehen hier die  Alternativen zu Beginn des Trainings nicht zwingend fest. Die Strategie ist offen, dennoch sind die Bedürfnisse klar: Der Hund möchte lauern, hetzen, packen (oder ähnliches aus seinem Jagdverhalten abspulen), der Mensch hingegen möchte, dass das Wild unversehrt bleibt (auch Hetzen schadet dem Wild), der Jäger keine Wilderei feststellen kann oder ähnliches…
Meine Strategie in dieser Konstellation ist also, der Hund darf dem Wild stehend! hinterher sehen und anschließend seine Jagdsequenzen mit dem Menschen gemeinsam ausleben… Alle Bedürfnisse aller sind (zumindest einigermaßen) erfüllt!

Vorstehen bei Wildsichtung wäre hier also ein Bedürfnis des Hundes, welche ich ihm zugestehen kann und genau hier sind wir bei bedürfnisorientierter Belohnung!

Letztlich ist (Hunde-) Erziehung eine Sache der inneren Einstellung. Finde ich es ok zu strafen, Was ist Strafe, wo fängt Gewalt an… Das sind Fragen, die jeder für sich selbst beantworten muss.
Wer sich für Gewaltfreiheit im Hundetraining entscheidet, dem stehe ich gern mit Rat und Tat zur Seite!

“Thinking Dog”? Denken leicht gemacht…

Thinking Dog? Was soll denn der Name?

Der Hund

War bis vor einigen Jahren noch umstritten, dass Tiere im allgemeinen oder Hunde im speziellen überhaupt Gefühle haben, ist heute wissenschaftlich gesichert, dass Hunde sowohl Gefühle haben, wie auch denken können (Man spricht ihnen vergleichsweise etwa die Denkfähigkeit von zweijährigen Kindern zu).

Nun gibt es aber zwei Zustände in einem Hundehirn (bei Menschen kommen diese auch vor):

  • den denkenden Zustand und
  • den reflexiven Zustand.

Im reflexiven Zustand, übernimmt beim Hund (und bei anderen Säugetieren auch) das Reptiliengehirn die Kontrolle. In diesem Gehirnbereich werden Flucht- und Kampfreaktionen gesteuert.
Befindet sich der Hund also in diesem Modus kann er keine neuen Signale erlernen sondern nur noch reagieren. Nur im denkenden Zustand (das im Präfrontalen Cortex verortet) ist es dem Hund möglich, neue Strategien zu erlernen.

Habe ich nun einen Hund, der z. B beim Anblick von anderen Hunden reaktiv ist und möchte ich das Verhalten nachhaltig ändern, arbeite ich zunächst über die Distanz um den Hund im denkenden Zustand zu behalten und dann in weiterer Entfernung neue Bewältigungsstrategien für den Hund zu finden. Sind diese ausreichend trainiert, kann man die Distanz wieder verringern.

Die Werkzeuge

Des Weiteren arbeite ich gerne mit Übungen, die es dem Hund ermöglichen länger in dem denkenden Zustand zu bleiben, bzw. wie mit einem Schalter, wieder in den denkenden Zustand zurückgebracht zu werden.

Der Hund muss beim Clickertraining denken, was das gewünschte Ziel sein könnte
Hund beim Clickertraining – Aufgabe war den Blumentopf mit der rechten Pfote zu berühren

Grundsätzlich arbeite ich auch gerne mit dem Clicker oder einem Markerwort über welches man mit dem Hund ausgezeichnet kommunizieren kann. Ursprünglich fanden diese Techniken im Tricktraining Verwendung; Hier wird speziell bei der Technik des (freien) Formens die Denkleistung des Hundes benötigt um neue Verhaltensweisen zu trainieren.

Der Mensch

Übrigens haben Studien herausgefunden, dass neue Verhaltensweisen mit dem Clicker trainiert bis zu 2/3 schneller trainiert waren als mit dem Markerwort. Spannend wäre gewesen um wie viel langsamer die neuen Verhaltensweisen gekonnt worden wären ohne eine der beiden Techniken…
Und hier schließt sich der Kreis, mitunter hat eben auch der Mensch zu denken und zu lernen. Auch dabei bin ich gerne mit meinem kynologischen Fachwissen behilflich!

Aus den vorgenannten Bausteinen erklärt sich glaub ich ganz gut warum es ausgerechnet “Thinking Dog” sein musste:
Wer nicht denkt, kann nicht lernen!
Wer lernt, kann (über)-denken und alternatives Verhalten zeigen!